Europas wilde Kornelkirsche.

Die Legende, das Holz, der Stock.

ZIEGENHAINER

Wegen dieser Folklore bekam ich die meisten Widerstände zu spüren. Selbst Hilfe suchend, zuerst einmal von der Konkurrenz und dann mehr oder weniger erduldend, von den Familienmitgliedern. Warum auch nicht. Schmutzige Kleidung, halberfrorene Gliedmaßen, Blasen, Verbrennungen, blutige Schnitte, finanzielles Engagement, Werkzeugverluste und ein enormer Zeitfaktor. Ganz zu schweigen von den Materialausfällen zahlreicher Versuche. Diese Ziegenhainer sind auf Grund ihrer Leistungsfähigkeit, zu den Lieblingen meiner experimentellen Archäologie avanchiert.

GEISSCHLINGE

LONICERA

GEISSCHLINGE

Der allererste Versuch das Holz unter Dampf zu biegen. Hier im Bild in wahrlich zierlicher Dimension. Diese Ziegenhainer Stöcke wurden von mir lange Zeit eher als eine überzogene Spielerei belächelt.   

Vor ein paar Jahren bekam ich eine schwere Lungenentzündung und war nahe dran mir DIE Telefonnummern bereitzulegen, um mich ringsherum anständig verabschieden zu können. Wo gab es die beste Luft, natürlich im Wald. Bin jeden Tag den Wald gegangen. So gut es eben ging.

Da ich über ein paar abgefahrene Kornelkirschen Äste stolperte, griff ich dieses Thema auf. Die Äste sahen so bizarr aus, dass niemanden jemals eingefallen wäre, so etwas auch nur als Brennholz zu verwenden. Mit den krummen Dingern stellte ich mich dieser Herausforderung. Vielleicht der Letzten. Ich konnte eh nichts Besseres tun. Das erste Dutzend Stöckchen ging bei den Versuchen kaputt. Ich blieb. Vielleicht ein guter Tausch.

AMTS STAB

BEHANG

AMTSSTAB

Eine Art Herold durfte nur mit einem derartigen Ziegenhainer-Zepter in den Händen Herausforderungen antragen. Zwischen den Mitgliedern der schlagenden Verbindungen reichte jedoch auch aus, eine spitze Bemerkung zu machen. Diese wurde als offene Beleidigung empfunden.  Den Händel unter Ehrverlust nicht auszutragen, undenkbar.  

Für DEN historischen Ziegenhainer wurden bereits Beträge angeboten, die jede Frau eines Stockliebhabers in Ohnmacht fallen ließe, wenn sie jemals die Summe erfahren sollte. Die dazu wohl unglaublichste aller Sammlergeschichten hört sich der interessierte Leser am besten als Gast, am Ort des Geschehens selbst an.

Es geschah in der örtlichen Traditionsschänke "Zum Ziegenhainer" im historischem Bierdorf Ziegenhain bei Jena. Im Eingangsbereich des Wirtshauses sind einige historische Ziegenhainer in Vitrinen ausgestellt und eine ganze Anzahl wurde an den Wänden vorsichtshalber fest angeschraubt. Die Wirtsleute preisen sehr gern diese verrückte Geschichte den Interessierten.

FECHTSTÖCKE

FLUOROSCENTE

FECHTSTÖCKE

Diese zierlichen Ziegenhainer sind als leichte Fechtstöcke und für das regelmäßige Training gefertigt worden. Ihre modernen Dimensionen wurden in Zusammenarbeit mit zwei wunderbaren europäischen Fechtschulen entwickelt. Einer deutschen und einer aus Italien. Ihre geforderte Länge beträgt 950 Millimeter und der Durchmesser 22 Millimeter. Diese Stöcke sind sehr schnell und steif. Ihre hohe Material Flexibilität macht sich mit zunehmender Belastung drastisch bemerkbar. 

HUNDERTJÄHRIG

HUNDERTJÄHRIG

Diese Stab erlebte seine Geburt noch zu des Kaisers Zeiten in der Stockfabrik Zitzmann zu Eisenberg. Mir wurde er freundlicherweise aus einem nahen Familienbesitz übertragen. Die historischen Ziegenhainer erfahren Mangels Material, in der Kampfkunst zum Teil eine Neunutzung.
Mit der Sherlock Holmes Verfilmug von 2009, wurde Bartitsu, eine Gentleman Art der Selbstverteidigung, einer breiteren Öffentlichkeit sehr schmackhaft gemacht. Damit erleben diese alten Stücke eine kleine Renaissance. Aus Mangel an Nachschub trainieren Bartitsu Freunde tatsächlich zum Teil mit historischen Stöcken. 

Die Ziegenhainer Stöcke.

Den Knüttel weiß der Bursch zu tragen,

und schwingt ihn freudig in die Luft,

Denn, Brüder, nehmt den Stock zur Hand,

Mit Licht gemischt ist sein Gewand..

D'rum, Brüder, schauet, unterbricht,

Das ernste Schwarz des Stabes Licht.

Des schönen Stabes schönste Zier,

Seht, rothe Namen prangen hier.

Er keimt aus deutschem Grund hervor,

Nicht gleich dem fremden, morschen Rohr.

Dem Ziegenhainer kommt nichts gleich

An Stärke in der Haine Reich.

Aus "Die Ziegenhainer Stöcke",

von Benedikt Waldeck im Juli 1819

RENNOMIERBUMMEL

RENNOMIERBUMMEL

Im Bild die Künstler Ansichtskarte von Georg Mühlberg, Studenten mit ihren Stöckchen beim Renommierbummel. Die Mensurnarben sind dabei alles andere als störend. Es gibt diese und ähnliche Postkarten ab fünf Euro auf E-Bay zu ersteigern.

In Bierlaune kam es schon mal vor dass sich die Studenten mit ihren Ziegenhainern im Biergarten auf dem Marktplatz duellierten. Laut Überlieferungen zu Dutzenden. Das muss ganz schön geknallt haben. Das Holz klingt beim Aufschlag nahezu Ohrenbetäubend. Der Student konnte über den Durst getrunken ... seine Geldbörse liegen lassen, schwach geworden ... ohne Kleidung aus einem fremden Schlafzimmer flüchten ... seinen Ziegenhainer gab er auf gar keinen Fall auf.

Was die Trinkfestigkeit angeht, der goggle mal nach den Biernägeln. Ohne triftigen Grund würden diese nie erfunden worden sein. Sollte sich sich jemand an den Textinhalt, der Verteilung potentieller Gene stören, gehe bitte in die Museumsschänke der Göre auf dem Marktplatz in Jena und ließt bitte eine recht drastischere Darstellung an der rechten Wand. Dies prangt dort unübersehbar in wunderschönem Sütterlin.


WACHSTUM

WACHSTUM

Aus dem Hintergrund des asiatischen Kampfkunstsportes heraus, entstanden einige schwerere Ziegenhainer. Im Bild links der Ziegenhainer welcher auf Wikipedia zu finden ist. Er hat auf dem dortigen Premium Foto eine phantastische Ausstrahlung. Außer als solider Zunftstab in schwerem Gelände, diente er gleichzeitig als Zeltstange für einen flachen Planen Unterschlupf. Der sogenannten Schildkröte. 

Natürlich passen zu solch schwerem Gerät nur die entsprechend dimensionierten Bergstockspitzen. Dies werden entsprechend dem Konus auf die Holzstärke von mir angepasst. Die dafür schönste und handgeschmiedete Bergstockspitze, lieferte hier die Firma Wildaustria. Im Original war sie deutlich länger, unten achtkantig ausgeformt und brüniert. Sie wurde entsprechend per Hand historisiert.

Diese Holzkiste ist handgefertigt und diente einst zur Aufbewahrung der Kohlen. Sie stand gewohnheitsmäßig in der Küche neben der Küchenmaschiene. Ein Monstrum aus Ziegelsteinen mit Gusseisernen Ringen. Stets war diese Kiste ein beliebter Sitzplatz von Besuchern und uns Kindern. Dass manch Großvater darin sein Sparbuch oder Bares verwahrte, wurde filmisch umgesetzt. Vielleicht daher auch umgangssprachlich das Wörtchen Kohle für Geld.

 

DENKMAL

DENKMAL

Links im unterem Viertel am Bildrand über dem angedeuteten Feuerkelch springen eben die ersten Blüten von einem Kornelästchen auf. Das erhaltenswerte Monument wurde als Sinnbild gestiftet. Es heißt "Der sterbende Löwe" und steht in neunzig Metern Höhe über der Saale. Der Insider weiß um die Inhaltsschwere Bedeutung. Leider hat sich der politische Kontext, die Zahl der Speere, welche in Verhältnis zum Inhalt unter dem Tier angeordnet wurden, nie abgenommen.

PS : Ein Ziegenhainer ist eine erlaubte sowie die wahrscheinlich eleganteste Lösung, was Mann als Wehr bei sich tragen könnte. Diese hübsche  Lebensversicherung macht auch stets einen sehr guten Eindruck im Entree des Wohnbereiches. Mit diesem Kulturgut an den einschlägigen  Pilgerstätten Flagge zu zeigen, hat etwas.