Europas wilde Kornelkirsche.

Die Legende, das Holz, der Stock.

ÜBER MICH

Kornel Stöcke sind genau der Teil, den ich möglichst weit von mir entfernt in die Ecke drängte. Zu hart, sehr schwer und kaum auffindbar. Ohne richtiges Werkzeug ein Albtraum. Das kreative Schaffen dazu entstand grundsätzlich irrational ... auf emotinaler Ebene. Die Ergebnisse sind selbst für mich überraschend. Immer wieder. Den inneren Synapsen Tango im Außen auszudrücken ... körperlich ... da fehlt mir etwas. Sich etwas künstlerisch ausdrücken zu dürfen, dient mir sozusagen als meditativer Haltepunkt. Letzteres war, mit irgend etwas in den Händen ... schon immer so gewesen.

Es gibt einen Eintrag im Geburtenregister von Berlin Spandau. Dieser erfolgte am Dienstag 18-ten August 1964 um 14:10 Uhr. Es war das Jahr in dem drei noch Unbekannte, buchstäblich "Für eine Handvoll Dollar" Filmgeschichte schrieben. Insofern eine Vorstellung bildlich, völlig verrückt und fast nicht durchführbar erscheit, das Leben schob mich immer wieder genau dahin. Wenn irgendwas nicht geht, weiß ich schon im Voraus, dass ich aller wahrscheinlichkeit nach ... genau dorthin, über diese innere Grenze geschoben werde. Wenn ich mich dagegen wehre, nahezu gewaltsam. Eine Lebenserkenntnis.

Abend's, wenn mich eine Idee nicht einschlafen lässt. Dann blitzen Bilder auf. Sie sind reine Inspiration. Im hier und jetzt versuche ich dann diese je nach Verfügung der Mittel zu realisieren.  Ab und zu begebe ich mich gelegentlich auf eine kleine Reise. Über das Unbewusste. Dann hebt sich der Vorhang und gibt in das alte Weltbild unserer Vorfahren frei. Es gibt da ein berühmtes Örtchen, an die ich mich unter Anleitung in vollster Absicht bewege. Da wurde mir einst eine Frage gewährt. Ein äußerst vitaler Prominenter meinte schlicht, "Mach Stöcke." 

 

 

Frieda

Frieda ist eine Luxussentimentalität. Tiere, ich kenne nichs Besseres um herunterzukommen, sagte die jüngste Tochter aus. Frieda ist im Büro in einem Pappkarton groß geworden und im Hof mit großen deutschen Doggen herumgetollt. Ihr ist es eher nicht bewusst, dass sie kein Hund ist. Sie naschte das Futter von Schweinen wie Pferden. Kuschelte mit den Katzen und flanierte gern Gassi durchs Dorf. Dieses typisches Kamerun Schaf stahl schon auf so mancher Geburtstagsparty ... jedem die Show.

Es hat einige Zeit gedauert bis sie sich endlich mit den anderen Biorasenmähern anfreundete. Sie ist heute das Leit- wie Zugtier für die anderen Vierbeiner. Der regelmäßige Umzug von einer - in die nächste Industriebrache, ist nur mittels diesem anhänglichen Tierchens möglich. Kamerunschafe sind in der Regel mehr als nur scheu. REHE ... der emotionelle Ausruf eines Hobby Schäfers.

FRIEDA

AUTOPILOT

Immer wenn ich mal wieder Blödsinn angestellt hatte, durfte ich hören ... "Hast du nur einen Kopf zum Haare schneiden ?" Diese väterliche Frage, sie klang nie wie eine. Mittlerweile hat sich das Haarproblem jedoch gelöst. Das Gesellschaftsproblem, zu tun was mir Spaß macht, ließ ich mir nie aberziehen. 

Das so ziemlich Dümmste in den Augen von Uneingeweihten war, Stöcke zu machen. Die Dinger wären doch sooo ... unsexy. Eigentlich doch nur was für Alte und Gebrechliche. Daß die Stöcke auch noch mehr als nur etwas Prestigeträchtiges sein können, habe ich niemals mit der Feinwaage präsentieren wollen. Etwas selbst zu machen, mit ein wenig Liebe, dazu mögen diese Seiten anregen.

Wenn ich den REZENSIONEN vertrauen kann, dann ist Stöcke zu machen, so ziemlich das Einzigste, womit ich in meinem Leben glänzen kann. Diese Streicheleinheiten waren besonders in der Entstehungsgeschichte sozusagen Blutstillend. Mein Lehrgeld bestand nicht nur aus monetären Investitionen sondern auch in Fleisch und reichlich Lebenssaft. Narben zeugen davon. Passiert ist ... "How to Win Friends and Influence People." So der Buchtitel von Dale Carnegie's Bestseller aus dem Jahre 1936.

Schäfis

BERUF-UNG

Wohin mit dem Kerlchen ? Der Klassenlehrer meinte : Schäfis wäre womöglich genau das Richtige. Das war in den Achtzigern. Das ging etwa zehn Jahre lang echt gut. Dann war Schluss, mit den Privilegien dieses Berufsstandes, in der Deutschen Demokratischen Republik. Die Bundes Republik Deutschland folgte.

Normale Stöcke im Alltagsbetrieb zu zerstören war keine Kunst. Diese Zerbrechlichkeit hatte einfach nur genervt. Kornelkirschen sollten angeblich unzerstörbar sein. Es gab ferne, alte Erzählungen, Legenden und nur vage Ideen. Ein aktiver Sproß aus der jahrhunderte alten Schäferdynasty Ruppe,  er gab die ersten Hinweise. 

"Schuppige Rinde, sieht aus wie alter Baum, kein Ast ist gerade und es blüht gelb. Die Äste wachsen wie der Buchstabe S. Es ist das erste Bienenfutter und die letzte Frucht im Wald die herunterfällt."

Eine sporadische Suche von etwa 2 Jahren begann. Die spärlichen Bibliotheks - Lexikas gaben die richtigen Informationen nicht her. Wenn, dann waren darin lediglich die Zuchtformen für den Schrebergarten enthalten. Zierpflanzen mit gelber, grüner und roter Rinde. Eine Sackgasse.

Die Begegnung mit den Kornelkirschensträuchen glich einem Schock. Kaum ein Ast war länger als einen Meter lang und total verwachsen. Das soll also ernsthaft die Grundlage der Wunderwaffe sein. Ein Schwanken zwischen Verwunderung, Ärger und Krise. Der Beginn einer kleinen Odyssee. 

Der erste, Daumenstarke fertige Arbeitsstab erwies sich bei Schlechtwetter als zu lang. Den Stab DRAUSSEN, durch Bruch einzukürzen, ging ... angeschnitzt erst nach dem dritten Versuch. Dazu wurde mehrmals mit vollster Wucht über die Ecke eines Kunststeines geschlagen, ehe es ein erstes leichtes Knack machte. 

Mit Aufgabe des Berufes wurde das übrig gebliebene Stück, wegen einem Paar schöner Augen ... verschenkt. Eine weibliche Inspiration lieferte den späteren Grund es noch einmal zu versuchen. Nichts anderes als diese numiöse Kraft einer Schamanin hätte je dazu animieren können, es jemals noch einmal mit der Kornelkirsche zu versuchen.

Seltsamer Weise konnten dazu gewonnene Fertigkeiten verschiedenster Gewerke genutzt werden.Von einer industriellen Tätigkeitsreise in Stahl, Glas und vielem anderem. Hier der DANK, all jenen welche die Geduld aufbrachten, ihr Wissen und Können zu vermitteln. Niemals war je daran zu denken diese Hard - Skills für ein hölzernen Refugium zu verwenden.

MEINES VATERS SOHN

... fröhnt seit jeher dem Erkenntnisgewinn. Klinisch. Das erste woran er sich erinnern kann, ist das spärliche Innenleben von Vaters Modelleisenbahn. Vor dem auseinander bauen war Nichts sicher. Dass dem Sohn die Luftbüchse nicht unversehens den Knicklauf um die Ohren schlug, zerlegte der Vater die alte Bleipuste aus den Fünfzigern in alle ihre Einzelteile.

... hatte nach dem ersten Kornel Stock mehr als genug Einsichten gewonnen. Besser, die Schnauze gestrichen voll von dem harten Zeug. Sich damit je wieder näher zu befassen, eigentlich undenkbar. Dass nach drei Jahrzehnten Abstinenz daraus etwas mehr wurde, ist nicht gerade wenigen und besonderen Umständen zu verdanken. 

... wurde zum Gefallen der Götter mit einer gewissen Sensitivität ausgestattet. Ob mehr Last oder Segen kommt auf ganz die Betrachtungsweise an. Der erste Milliardär unserer Neuzeit, Howard R. Hughes und ebenso unsere unvergessene Vera F. Birkenbiehl arrangierten sich sich nicht nur mit den Plagen von Reizüberflutungen sondern schufen aus diesen heraus, vielerlei kapitale Vorsprünge. 

... fand den Stock des kleinen Muck toll. Dessen Gehhilfe stand auf Gold. Großvater erklärte, dass Märchen Wahrheiten enthielten und Wünschelruten sich entsprechend imprägnieren ließen. Auf Wasser besprochen ging es anschließend zum Brückentest. Das war so mit zwölf Lebensjahren.

... las mangels einfachem Lesematerials alsbald das, was etwas dicker war. Homer und andere Autoren griechischer Geschichte. Was eben so herumlag. Daß Götter eifersüchtig werden können wenn Mann fremdelt, bekam er irgendwann selbst serviert. Mehrfach sogar. Zumindest so sein heutiges Verständnis für gewisse Umstände. 

 

IMPULS

Einen Talking Stick ... ob ich so was machen könne ? Das fühlte sich unmöglich - gut an. Aus dem Härtesten, verdrehtesten und seltensten Holz was es gibt sollte er werden. Urig. Als ob ihn ein amerikanischer Ureinwohner gebastelt hätte. Ihm in Nichts nachstehen. So mein Anspruch. Ich wusste wo eine umgestürzte Kornelkirsche lag und vor sich hin trocknete. Die bevorstehenden Blasen an den Händen, das war mir die Sache wert.

Die Arbeiten an DER Kornelkirsche, sollten noch blutig werden. Bei dem holperigen Neu Versuch, ritzte ich mir die Tapete auf. Das sollte meine Frau nicht verunsichern. Also zog ich mir, um eine sichtbare Blutspur im Schnee zu verhindern, einen Plastikhandschuh über. Einer wie er zum Haare färben gedacht ist. Er füllte sich am Anfang bedrohlich schnell.

Meine Gattin meinte zu meiner hölzernen Errungenschaft "So ein schrecklich krummes Teil kannst Du doch nicht einem internationalem Team andrehen". Ich ließ mich nicht abbringen. Den Lack habe ich dreimal wieder heruntergekratzt, den Schliff mehrfach wiederholt. Einiges angeklebt, Löcher gebohrt und alles wieder abgesägt. Das Mindest- wie Höchstmaß war erreicht. Es war das ultimative Reisekoffermaß. 

Die erste gelbe Beize, ich war stolz wie Oskar. Der Bernsteinlack musste wieder herunter. Schade, das Beste war gerade gut genug. Auf den unnachahmlichen Stradivaries klebt er heute noch. Leinöl kam dann als natürliche Alternative drauf. Schlussendlich hielt eine schwebende, sich selbst bindende Konstruktion die obligatorische Adlerfeder. Eine Echte natürlich, mit dem Cites Zertifikat. Das Wachstum der Äste wie in einer flachen verdrehten Sinuswelle verblieb, sie gab dem Ganzen einen eigene Ästhetik

Seine Seminarfunktion hat dieses Stäbchen übrigends nie wahrgenommen. Es wäre einfach zu schön und wertvoll dafür. So aufgemuntert legte ich natürlich noch nach ... ging wenn es so genannt werden darf, für meine Stöcke Klinken putzen. Hochwertigere Werkzeuge wurden angeschafft, alte Bücher studiert und die darin enthaltenen Techniken nachempfunden.