Europas wilde Kornelkirsche.

Die Legende, das Holz, der Stock.

ERSTE WERKE

JO STAB

JO STAB

Dies ist der allererste Stock, den ich in dieser Qualität aus Spaß an der Sache gemacht hatte. Eine kleine Hommage an Ueshiba Morihei, dem Gründer des Aikido. Mir gefällt dass diese Kampfkunst mit dem Anspruch wirbt, weder Verlierer noch Sieger zu produzieren. Wer, sei es durch genetische Fehlverdrahtung wie Asperger Syndrom oder psychologische Tiefen Kenntnisse, den sinnlosen Wettkampf wie Kräftemessen ablehnt, findet im Aikido eine Kampfkunst, die im Gegner DEN Partner sieht. Eine konsequente Lebenseinstellung.

Im Bild der verblieben Rest eines fürchterlich verwachsenen Astes. Eigentlich hatte ich nur Griffe für meine Bergsense ersetzen wollen. Was ich nicht brauchte, wurde zurück in den Strauch gestellt. Dieser knotige Ast welcher daraus später entstanden ist, wurde zu einem Vorzeigestab. Unter dessen verletzlich durchscheinender Oberfläche verbirgt sich eine unheimliche Power.

ZIEGENHAINER

ZIEGENHAINER

Der Stock hier im Bild sieht immer noch aus wie ein abgesägter Schäferstab. Der Stab ist wie gewachsen. Ein sogenannter gerader Schuss. Etwas sehr Seltenes, da die Äste in der Regel wie der Buchstabe S wachsen. Und zusätzlich weisen diese noch eine Drehrichtung auf, ein bischen wie ein Korkenzieher.

Ein Sportkollege fragte an ob ich was machen könnte wie einen Shillelag, jedoch mit leichterem Knauf. Und anstatt dem traditionellen Schwarzdorn wäre die Kornelkirsche seine erste Materialwahl. Kein Problem sagte ich und stellte ihm fünf Stöckchen zur Auswahl. Den Stab hier wollte niemand haben. Er ist sozusagen übrig geblieben. Er gehört zu den allerersten Versuchen, diese hölzerne Fecht Waffe wieder zum Leben zu erwecken.  

Aus der goldenen Zeit der Ziegenhainer entstammt das Wörtchen "holzen", als Bezeichnung für eine grobe Umgangsart. Dies ist jedoch nur eine Verballhornung aus der Burschenschaftssprache. Willst du Holz ? Dieser Satz war eine direkte Herausforderung und führte zwischen den verschiedenen Burschenschaftsverbindungen zu handfesten Auseinandersetzungen mit den Ziegenhainer Stöcken.


 

ESKRIMA

ESKRIMA

Ein Familienpaket, für Vater Mutter und Kind. Schwarz ebonisiert mit Eisenessig. Braun geräuchert mit Ammoniak und gelb mit Berberin gebeizt.
Diese alten Beize - Verfahren sind einschlägig im Internet und in der Fachliteratur beschrieben. Unter FARBEN sind einige Ergebnisse zu sehen und auch die Kurzbeschreibungen darunter.

BOKKEN

BOKKEN

Das obere Bokken ist Natur pur. Der Kornelkirschenast wuchs so wie zu sehen im Durchmesser oval und gekrümmt. Daran wurde nichts geändert. Nur die seitliche Drehung musste mittels Dampfbad herausgenommen werden. Hier ist also nichts herausgesägt oder so. Der Faserverlauf blieb konstant erhalten. Lediglich der nachgeahmte Klingenaufbau wurde aus dem Holz etwas herausgeschliffen. Per Hand mit einem Schleifbrett.

Unten mein persönliches Original aus japanischer Weißeiche.

PILGERSTAB

PILGERSTAB

Gefertigt für die Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Der ehemalige Nachbar konsultierte mich nach über dreißig Jahren und fragte nach, ob ich noch Stöcke mache. Mit dem Haken kann unterwegs Obst geerntet werden. Und zum parken an der Garderobe ist er auch gut. Auf eine Metallspitze wurde verzichtet, damit sie auf der Straße nicht Nervenaufreibend klickt. Da Kornelkirsche nun mal sehr schlagfest ist, würde der Verschleißgrad sehr gering sein.

RESSCOURCE

RESSOURCE

Meine erste alte wilde Kornelkirsche im Bild. Ihr fehlt bis heute kein einziger Ast. Sie ist bereits so alt, dass der Baum der sie einst umbrach und auf ihr lag, längst vermodert ist. Dass dieser Baum diesen Schaden verursachte, ist der Grund, dass da einige halbwegs gerade Schößlinge emporstreben. Wie lange das her sein mag. Ganz einfach. Nachmessen.

Auf diesem Bergrücken hat das Kornelholz ein durchschnittliches Wachstum im Durchmesser von einem Millimeter. Der Umlaufende Jahresring ist in etwa einen halben Millimeter stark. Je magerer die Bodendecke, um so dichter die Jahresringe und härter das Holz.

Bevor alles losging, musste ich Kornelkirschen finden. Es gab nur alte Geschichten. Legenden, kein Internet und nur vage Ideen. Ich fragte Leute, die etwas wussten. Diese Odyssee dauerte etwa zwei Jahre. Die allererste Begegnung hier war ein Schock. Kaum ein Ast war länger als einen Meter lang und total verwachsen. 

Geschwungene Äste wurden von den alten Schäfern in Leitern gestreckt und etwas überspannt getrocknet. Solange, bis das Endergebnis einen geraden Stab ergab. Danach wurden sie in der hintersten Ecke einer Scheune ins Stroh gepackt. Über Jahre. Wenn die dann irgendwie störten, kamen sie in den Dachkasten. Wer einen guten Eindruck hinterließ durfte sich glücklich schätzen so einen abgelagerten Stab zu erhalten. In der Regel blieben sie in der Familie. In meiner Jugend gab es noch eine Schäferdynastie mit über einem Dutzend Schäfern. Sie nutzten dieses besondere Holz.  

Auf Grund der enormen Rückstellungskraft durften selbst diese kalt gebogenen Äste niemals so richtig nass werden. Auch Hitze verformte Äste stellen sich wieder zurück. Jedoch erst bei erneut enormer Hitzezufuhr.