ROUTINEN

ROUTINEN

Schon immer wurden und werden von Interessenten kleine Hilfestellungen abgefragt. In Bezug auf die Bearbeitung der Kornelkirsche zum Beispiel nach einem parallelen und eventuell leichteren Weg mit anderen Hölzern. Mehrfach entstanden schon Fragen über gewisse Arbeitsschritte wie dem Aufschmieden der metallenen Spitzen auf das Holz selbst. Etwas genaueres darüber mitzuteilen, gar eine kleine Broschüre darüber zu veröffentlichen, das ist emotional kein leichtes Unterfangen. Diese Seite mit oben genannten Titel kann im Vorfeld sicherlich einige tiefere Einblicke in eine nicht altägliche Schaffenskraft gestatten. Diese selber ist beinahe wie aus den Nichts entstanden. In der Regel gab ich bis dato das dazu gehörende Know-how nur an mir nahe stehenden Personen weiter. Wenn auch ungeplant griffen und greifen hier immer wieder kleine Regelwerke von Dritten ein. Gewiß mag eine Spur Sensibilität auch dabei helfen auf dem Boden- und vor allem bei sich selbst zu bleiben.     

DANKBARKEIT


Ist eine essenttielle Voraussetzung. Wer oder was auch immer im, auf oder über dem Boden lebt, nimm an, dass es Reaktionen geben wird. Natürlich muss man sehr gut beobachten können. Emotional auch sich selbst. Eine Art Tagebuch wäre dabei sehr nützlich. Rituale dazu gibt es reichlich. Man muss aber darüber wahrscheinlich eh erst stolpern oder sehr schmerzhaft mit der eigenen Nase drauf fallen. Medial Veranlagte sind in der Regel Medienscheu und daher wird öffentlich darüber kaum etwas berichtet. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Wolf Dieter Stor zum Beispiel. Seinem Vorbild entlehnt werden hier nach indianischem Brauch gerade drei winzige schwarze Schaffelle plaziert. Wer dem einen etwas handfesteren Ausdruck geben mag, stellt den Tieren des Waldes einen mit Mineralien angereicherten Salzleckstein auf einem Baumstumpf. Ein Ballen Heu tut es sicherlich auch. Eine nahe Quelle zu reinigen, herumliegenden Unrat mitzunehmen, zwecks Entsorgung, sind mit Sicherheit großartige Optionen. Wer energetisch veranlagt ist, segnet den Ort einfach reichlich mit einer seiner Göttergaben. Erst nach diesem Ritual, nicht so richtig zuvor sind wir an dieser Kornelstelle mit einem Ausnahmestab beohnt geworden. Eine großartige nahezu gerader Kornelkirsche stand einsam mitten im Weg. Genau das Richtige für einen Arbeitsstab. 

RITUAL

Erst nach zwei kleinen Ritualen wurden wir an dieser Stelle fündig und dies erst beim Rückweg auf den letzten Metern eines kleinen Höhenzuges der zuvor von mir sehr gründlich auf Ergiebigkeit  durchsucht wurde.
Eigentlich was das hier ein Fototermin für die mögliche Buchgestaltung. Und mehr eine Einführung meines Schäferkindes Sarah in ihr hauseigenes Kalksteinriff, angefüllt mit zahlreichen Kornelkirschen. Sozusagen eine gekeime, recht gut angefüllte Bank.

WERKZEUGE


Wer sich mit der Kornelkirsche auseinandersetzen will, sollte dafür das beste Werkzeug verwenden was er auftreiben kann. Notfalls ausleihen, inklusive dem Besitzer. Zu zweit ist der Aufenthalt im unwegsamen Gelände außer dem sehr viel sicherer. Bei einer ungeschickten Handhabung von rasiermesserscharfen Werkzeugen ist der eigene Blutverlust vorprogrammiert. Bisher hat sich jeder der mit japanischen Werkzeugen hantierte ins eigene Fleisch gschnitten. Mehr oder weniger schlimm, selbst professionelle Tischler mit jahrelanger Erfahrung im Umgang von normalen Werkzeugen sind dem ausgesetzt gewesen. Hier im Bild gut zu sehen, dass an der Big-Boy grundsätzlich beide Hände am Griff zu halten sind. Sozusagen die Grundstellung wie beim ersten aufrechten Gang mit dem Samuraischwert. Diese Sägen arbeiten ebenso auf Zug und sind daher nicht weniger Respekt einflößend. In Schnittrichtung hat nichts herumzuliegen oder gar ein Körperteil zu suchen. Die einhändige Benutzung ein Tabu. Wie eine Geisha die vor dem Tür öffen und zum schließen wieder in die Knie geht, so ist hier vor dem Aufstehen nach jedem Absägen das rasierklingenscharfe Sägeblatt durch schließen zu sichern.

HINTERHALT


Gelegentlichen Besuchern und Lernwilligen lasse ich in der Regel erst einmal mit eigenen Werkzeugen hantieren. Bei der Ernte am liebsten an bereits abgestorbenen uralten Kornelästen. Sind diese über Jahre durchgetrocknet, dann kommt mit der einfachen Gartensäge so richtig Spaß auf. Klingt gemein, jedoch nur die eigenen Erfahrungen sind sehr lehrreich. Mit einigem Geschick werden armdicke Äste von normalen Bäumen mit vorgenannter Markensäge in einem Zug abgetrennt. Bei Kornelkirsche nehmen wir uns mindestens drei vor. Einerseits zwei Kerbschnitte und dann von der anderen Seite durch. Genau so wie es die Gärtner beim Verschneiden der alten Bäumen machen. Auch wenn klein, Kornelkirschen sind nicht oft weniger alt und bedürfen der gleichen Sorgfalt. Der stehengebliebene Stumpf wird glatt am Baum abgesägt. Wenn das richtig gut gemacht wurde, ist hinterher nicht mehr festzustellen, dass da jemals ein Ast herausgenommen wurde. Der am Boden stehende Stumpf bleibt mindestens handbreit stehen. Hier werden etliche neuer Triebe heraussprossen. Und wer weiß, in dreißig Jahren freut sich jemand aus der Schäferzunft über das eine oder andere daumenstarke Stämmchen was da herauswächst.   

ERNTEZEIT 


Die klassische Terminlage um seinen Stock in bester Verfassung zu ernten ist die Wintersonnenwede. Merken kann man sich jedoch den Zeitraum in den Wintermonaten zwischen dem Voll- und Neumond. Wer es genauer wissen will schaut sich von Erwin Thoma den veröffentlichen Mondkalender an, da sind zumindest die Schlagzeiten für Bauholz explizit eingetragen. Ein Sammelsurium darüber steht bereits auf meiner Seite MONDHOLZ. Thoma's Vorträge darüber sich reinzuziehen, usus. Seine erste Erfahrung über Mondholz ist sehr bemerkenswert. Holzstämme die außerhalb der besagten Mondphase gelegt wurden waren Monate später massenhaft belegt mit den Eiern des Borkenkäfers. Trotz unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Holz geschah das nur dort. Gehandelt hatte er lediglich auf den Rat seines Vaters hin der nach uralten Traditionen Holzhäuser baute. Thoma selbst stellt heute u.a. Hotelanlagen aus Vollholz.  

ZEITFENSTER


Natürlich kann sich nicht jeder das Vergnügen leisten bei abfallenden Mondphase ins Holz zu gehen. Irgendwelche Verpflichtungen gibt es immer. Zwecks Schutz vor unliebsamen Krabbeltieren empfieht sich daher die Lagerung im Misthaufen. Bei Kleintieren im Haushalt wie Meerschweinchen oder Hamstern fällt genug verunreinigste Streu an, um dies in großen Tüten zu verbringen. Den Stab natürlich mit darinnen verpackt.Wer es klinisch mag, darf ebenso reichlich Ammoniaklösung verwenden. Also 25%-tiger Salmiakgeist. Letzterer verbindet sich mit dem Tannin in der Rinde und erschafft je nach Intensität einen natürlichen braunen Farbton der das Holz sogar vollständig durchdringt. Weit zurück in der Historie war das Problem der möglichen Mitbewöhner bekannt und sogar recht prominent  beschrieben. Homer ließ den Helden des gleichnamigen Epos seinen alten Jagdbogen auf Würmer prüfen. Immerhin waren 20 ungenutzte Jahre vergangen. Nachzulesen in der Odyssee beim 21.ten Gesang die Bogenprobe im Vers 395.   

FOKUSSIERUNG


Zwar war ihr erster Kornel Schäferstab hier noch nicht einmal in Sicht, aber ich gab die Sicherheit den richtigen zu finden. Wenn nicht an diesem Tag dann an einem anderen.

Dieses Schauspiel vor dem inneren Auge wahrnehmen zu können, ist im Vorfeld ein gutes Zeichen.

Es reicht eine einzige innere Einstellung bei einem solchen Spaziergang. Der Fokus blendet dann alle anderen Optionen aus.

Ein strahlendes Dasein zu dem ziemlich gerad gewachsenen Naturstab. Es schaut aus wie die freudige Überraschung hinterher, doch der früchtebringende Moment fand zuvor statt.


Wenn das Vorher wie ein Danach ist, wird nur emotional festgemacht.

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