Europas wilde Kornelkirsche.

Die Legende, das Holz, der Stock.

CORNUS MAS

Hier einige Besonderheiten aus Praxis und Anatomie.

HALBSTAB

HALBSTAB

Dieser 33 Millimeter starke Halbstab, war mal ein knapp 50 mm, dicker Ast. Damit es aussieht wie ein Hickory Stengel aus dem nahen Baumarkt, wurde er entsprechend glatt heruntergeschliffen. Ein Zylinder aus diesem Material, wie hier zu sehen, trägt aufrecht, gute siebentausend Kilo, ohne zu zerfasern.

PRAXIS

Ein außerordentlicher Freund der Kampfkunst führt einen Stock wie das Schwert des japanischen Film - Helden "Zato Ichi". Das Ergebnis sind über vierhundert Kilo Schlagkraft auf dem Messinstrument. 

Dabei bleibt das Material im Zeitraffer sichtbar elastisch. Die möglichste Querschnittsbelastung dürfen 700 Kilo auf dem Quadratzentimeter sein.  

Einzelne Äste in Gleisbetten liegend, bleiben intakt. Auch wenn darüber Wochenlang tonnenschwere Forstfahrzeuge fahren. Erst der Wechsel von Hitze, Kälte, Trockenheit und Nässe zerstört dieses Holz, wenn es ungeschützt bleibt. 


Auseinandersetzungen wobei zwei Partner mit Kornelmaterial trainieren ... da machen Ohrenschützer durchaus Sinn. 

Das Geschoss eines Luftgewehrs mit 7,5 Joule, hinterlässt auf der polierten Kornelkirschen Oberfläche den wahrnehmbaren Abdruck des Diabolo Flachkopfes. Mehr nicht.

Mein Stahlstempel, mit dem Reklamewappen der Familie Harbarth, nicht richtig festgehalten, springt Meterweit weg. Zum einschlagen des Wappens muss der drei Kilo Hammer genauso hart aufgesetzt werden als ob eine schwere Eisenstange in die Erde getrieben werden müsste.

Für dicke Äste der Kornelkirsche benötigen Sie zum Biegen eine hydraulische Industrie Biegepresse. Ansonsten null Chance.

Kornelkirschenhämmer für Steinmetze halten eine kleine Ewigkeit. Mein eigener Elektro Abbruch - Hammer, siebzehn Kilo schwer, hat eine Bruchkraft von satten 33 Joule. Mit dem Ding können ganze Hauswände zerlegt werden. Kornelkirsche leistet den vierzigfachen Wert.

Ungehärtete Kornelkirsche fängt ohne weiteres scharfe Klingen auf. Bei anderen harten Kontakten wartet die Oberfläche mit leichten Dellen auf.

Gehärtete Oberflächen sehen nach Jahrelangem Training noch aus wie neu. Allerdings splittert diese Oberfläche bei Vollkontakt mit geschliffenen  Klingen.

Ein unschlagbarer Könner, mit dem japanischen Holzschwert, fühlte sich mit der Kornelkirschenversion in die Lage versetzt, jedes andere Bokken damit zu zertrümmern.

Bei Überdehnung bricht Kornelkirsche zerfasernd auf und die Bruchstücke bleiben aneinander hängen. Wie an einem grobfaserigen Seil schlenkern anschließend die beiden Enden aneinander. Ein großes Sicherheits Plus.

Geschwungene Äste wurden von den alten Schäfern in Leitern gestreckt und etwas überspannt getrocknet. Solange, bis das Endergebnis einen geraden Stab ergab. Danach wurden sie in der hintersten Ecke einer Scheune ins Stroh gepackt. Über Jahre. Wenn die dann irgendwie störten, kamen sie in den Dachkasten. Wer einen guten Eindruck hinterließ durfte sich glücklich schätzen so einen abgelagerten Stab zu erhalten. In der Regel blieben sie in der Familie. In meiner Jugend gab es noch eine Schäferdynastie mit über einem Dutzend Schäfern. Sie alle kannten noch dieses besondere Holz. .

Auf Grund der enormen Rückstellungskraft durften in Leitern gerichtete Kornelkirschenäste niemals wieder so richtig feucht werden. 
Auch mittels Wasserdampf verformte Äste stellen sich wieder zurück. Jedoch erst wieder bei erneuter enormer Hitzezufuhr. 

Offene Flammen an Kornelkirsche einfach so, ein NO-GO. Die Oberfläche wird rissig wie bei einem Orakel Knochen der ins Feuer geworfen wurde. 

Brennen der Oberflächen geht nur unter besonderen Vorkehrungen. Mit relativ kalten Flammen und - oder ständiger Kühlung. Fünf verschiedene Anwendungen die untereinander kombiniert werden können sind im Laufe der Jahre intuitiv entstanden.

Die polierte Oberfläche von Kornelkirsche fühlt sich an wie eine Mischung aus Knochen und Marmor. O - Ton ... so einen Stab will Mann nicht mehr aus den Händen geben.

Frauen erfassen Gegenstände aus Kornelkirsche wesentlich sinnlicher als Männer. Sie genießen die sich aufbauende Verbindung mit diesen Naturprodukten. Das kann gegebenenfalls sicht- wie spürbar sein.

DATEN QUELLEN

Die zwei wichtigsten Quellen. Das Karlsruher Institut für Technologie in Deutschland kurz KIT. Und ein sehr ausführliche Beitrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung aus Österreich.

Die wissenschaftlichen Daten wurden über Google aus zahlreichen Publikationen im Internet erhoben. Einige stammen aus Lehrbüchern. Diese Mittelwerte sind der festgestellte Durchschnitt aus tausenden von Untersuchungen. Dazu ein bisschen Würze mit eigenen Erfahrungen und Vergleichsdaten. 

ANATOMIE

Fasern. Die Fasertracheiden sind 25 bis 100 Mikrometer lang und 22 breit. Die Leitern an den Enden der Fasern sind gebrochen und haben bis zu 40 Verschlüsse. Die Fasern der hellen Medullary-Strahlen im Holz haben eine Länge von 130 Mikrometern und eine Breite von 14. Vielleicht eine Erklärung für die Kompaktheit dieses genialen Naturfaser-Verbundwerkstoffs. Im Querschnitt sind deutlich Halte - Stränge erkennbar. Im alten Ägypten wurden quer duch die Lehmbauten Seile gespannt und fest eingemauert. Es ist in etwa dasselbe Prinzip.

Zugfestigkeit. Diese beträgt 225 Megapascal. Kiefer und Eiche haben den halben Wert. Ein menschliches Haar hat 200. Das sind 205 Kilogramm pro Quadratzentimeter. Für den 33 mm starken Halbstab wären das 1,5 Tonnen Zugfestigkeit.

Lignin. Der Ligningehalt, welcher für die überragende Power mit verantwortlich ist, beträgt etwa 20%. Lignin ist ein natürliches Polymer.  Es ist ein natürlicher Kunststoff, anereob - biologisch - abbaubares Plastik. Das extrahierte  Biopolymer liefert es erstaunliche Eigenschaften. Es kann daraus tatsächlich ein Kohlefaserverbundstoff hergestellt werden.

Schwindmaß. Der hohe Quellwert, der für die Schrumpfung des Holzes verantwortlich ist, beträgt etwa 15%.

Brinell. Die naturale Brinell-Härte wurde bei 35 N/mm gemessen. Das ist nur ein Durchschnitt. Eiche kommt 90 N / mm. Nur das Feuer liefert dem Holz eine härtere Oberfläche. Auf den historischen Ziegenhainern so zu sehen. Auf einer durch Feuer gebräunten Kornelkirschen - Oberfläche  schmieren Diamantfräser einfach nur so herum. Offene Flammen an Kornelkirschen Oberflächen geht nur unter besonderen Vorkehrungen. Mit relativ kalter Flamme und - oder ständiger Kühlung.

Trocknung. Frisches Holz, im Winter geschlagen, verliert übers Jahr, in der Rinde belassen,  gut 25% seiner Masse. Und bei Frost ein gute Holzsäge einige ihrer Zähne.

Massespuren. 5% Masse sind die Extraktionssubstanzen im Holz. Das Dämpfen nimmt sie etwas heraus und macht das Holz geringfügig etwas fester.

Querschnittsbelastung.  Die Druckfestigkeit beträgt über den Seiten verteilt ca. 70 Megapascal. Nur zum Vergleich. Eine Presse für Schrottautos braucht weniger als die Hälfte um ein Auto zu zerquetschen. Auf ihrer Druckfläche lasten etwa 30 MPa. Dreißig Megapascal bedeuten dreihundert Kilo  auf dem Quadratzentimeter.
Ein Pascal sind ein Kilo auf den Quadratmeter, es wird in tausender Schritten weitergerechnet. Entweder auf den Quadratmeter oder rückwärts geteilt bis in den Quadratmillimeter herunter. 

Druck. Die gemessene Druckfestigkeit über den vertikalen Frontkanten betrug bei den Messungen im Durchschnitt 96 Megapscale. 96 Mpa sind umgerechnet 9.7 kg die auf dem Quadrat mm lasten. Der abgebildete Halbstab mit einem Durchmesser von 33 mm hält blaut Berechnung demnach über die aufgestellten Schnittkanten mehr als siebentausend Kilo Druck stand. 

Scherfestigkeit. Die seitliche Scherfestigkeit entlang der Faser betrug bei KIT Versuchen 36 MPa. Dies wurde an winzigen trockenen Bohrholzkernen gemessen. Dies ist also die Zerstörungsgrenze der Proben aus kleinen Holzdübeln. Ein Zentimeter dicker, drei Zentimeter langer, quadratischer Holzstift versagt als Haltestift auf einer Welle mit Zahnrad erst bei über 100 Megapascale. 

PH-Wert. Er beträgt ist 5.8. Ein niedriger PH-Gehalt greift Eisen an. Ebenso ein hoher Tanninsäuregehalt. Was Holz konserviert, zerstört Eisen, historisch ein Dilemma. Auf alten Gehstöcken sind die Eisenspitzen meist nur noch Schrott. Und sehr lose außerdem.

Daher als Klebe- und Trennmittel beider Komponenten das Birkenpech. Dieser frühe High-End-Kleber kann auch nach dreißigtausend Jahren noch verifiziert werden. Moderner zwei Komponenten Kleber tut es auch. Beide Varianten lassen sich unter Hitzezufuhr lösen.

Geruch. Er ist unbedeutend niedrig, aber deutlich erkennbar beim Schleifen. Ein bischen wie weißer Pfeffer. Jedoch sehr angenehm.

Klang. Die Schallgeschwindigkeit reicht bis zu 5000 Meter pro Sekunde. Ähnlich verhält es sich mit Wasser und Eisen. Ein gesundes Stück Holz hat den Klang wie von einem Xylophon. Die Geigenbögen der Gusle, werden bis heute daraus gebaut. 

Schwimmfähigkeit. Die Dichte des Holzes beträgt etwa 0,88 - 1,03 Gramm pro Kubikzentimeter. Wasser und Bernstein ca. 1 Gramm. Cornus mas mit Rinde, oder in Öl einkonserviert, schwebt er in der Regel knapp unter der Wasseroberfläche oder lugt leicht über der Wasserobefläche heraus. 

Jahresringe. Von Zuchtformen in satten Gartenböden und Parkanlagen mal abgesehen sind es in der Regel bei den schweren Stücken 0,5 Millimeter. In Extremlagen sollen es bis zu drei Jahresringe auf den Millimeter sein. Das habe ich allerdings noch nicht mit der Messlupe zählen können. Zum Vergleich.In der Regel weisen die am meisten verwendbaren Nutzholzbäume gut sichtbare Jahresring um 3 bis 5 Millimeter auf. Je nach Baumart.

Biegefestigkeit, sie beträgt 150 Megapascal. Der gemessene Maximalwert lag bei 200 MPa nahe dem von elastischem Eschenholz.  

Schlagzähigkeit. Hier belegte die Kornelkirsche vor allen anderen Hölzern in Europa den ersten Platz. Schnelle 140 Kilojoule. Kornelkirschenhämmer für Steinmetze halten eine kleine Ewigkeit. 


Wärmeleitfähigkeit. Noch keine speziellen Daten. Holz ist isolierend und fühlt sich Sommer wie Winter angenehm an. Ein wichtiger Faktor im Vergleich zu Kunststoffen. Der thermische Isolationswert von Holz ähnelt dem von Stroh oder Schafwolle mit 0,35 bis 0,50 Si. Der Wärmeleitfähigkeitswert von Silber und Kupfer liegt bei ca. 400 ... tausendmal höher. So viel zu den metallischen Ornamenten auf Stöcken bei extremer Hitze oder Frost.

E-Modul. Das elastische Modul von Cornus mas liegt zwischen 12 und 14 Gigapascale kurz GPa. Und genau dieser Wert ähnelt unseren menschlichen Knochen.  Das polierte Holz fässt sich beinahe auch so an. Es gleitet sanft durch die Hände und verursacht keine Blasen. 

Kornelkirschenstäbe in dünnerem Durchmesser, schlagen durch ihre flexible Gewichtsverteilung, federnd ein zweites Mal zu. Sie sprengen sich vom Auftreffpunkt wieder ab und die Masseträgkeit sorgt für den federnden Doppelschlag

Politur. Das Holz der Kornelkirsche lässt sich hervorragend polieren. Das ergibt dann die Oberfläche eines Kunstgegenstandes. Fast so wie bei einem hochwertigem Tasteninstrument, dem Flügel. Beim festen Berühren kleben die Hände an der glatten Oberfläche. Die Haftkraft ist wie eine Froschhand an der Glaswand. Um die hervorragenden Materialeigenschaften zu erhalten, braucht es nur ein wenig Sorgfalt. Eine gelegentliche Politur mit in Leinöl getränktem Schachtelhalm ist für den glänzenden Zustand verantwortlich. Nachpolieren mit Schafwolle verleiht dem Ganzen einen noch seidigeren Glanz.