Europas wilde Kornelkirsche.

Die Legende, das Holz, der Stock.

ANATOMIE

Hier der wissenschaftliche Teil. Von zigtausenden Versuchen wurden die Mittelwerte herausgezogen. Die vom Durchschnitt abweichenden Kennzahlen variieren je nach Standort. Entscheident ist das Klima in Verbindung mit Bodenwert und Höhenlage. 

HALBSTAB

HALBSTAB

Ein Probezylinder von diesem Halbstab wie oben angezeigt, trägt aufrecht, gute siebentausend Kilo. Es ist nur eine der Wirkungsfähigkeiten vom Kornelholz, was den antiken Kriegsarbeitern taktische Überlegenheit verschaffte. Sie durchbrachen mit diesem Material  die gegnerische Wehr. Das ist Wortwörtlich zu verstehen. 

ANATOMIE

Brinell. Die naturale Brinell-Härte wurde bei 35 N/mm gemessen. Dies bedeuten rund 3,5 Kilogramm Belastbarkeit auf den Quadratmillimeter ohne das Holzoberfläche Schaden nähme. Auf dem Quadratzentimeter trägt diese Kleinigkeit den hundertfachen Wert. Das ist nicht besonders viel, die weitaus härtere Eiche kommt 90 N/mm.

Fasern. Die Fasertracheiden sind 25 bis 100 Mikrometer lang und 22 breit. Die Leitern an den Enden der Fasern sind gebrochen und haben bis zu 40 Verschlüsse. Die Fasern der hellen Medullary-Strahlen im Holz haben eine Länge von 130 Mikrometern und eine Breite von 14. Vielleicht eine Erklärung für die Kompaktheit dieses genialen Naturfaser-Verbundwerkstoffs. Im Querschnitt sind deutlich Halte - Stränge erkennbar. Im alten Ägypten wurden quer duch die Lehmbauten Seile gespannt und fest eingemauert. Es ist in etwa dasselbe Prinzip.

Zugfestigkeit. Diese beträgt 225 Megapascal. Kiefer und Eiche haben den halben Wert. Ein menschliches Haar hat 200. Das sind 205 Kilogramm pro Quadratzentimeter. Für den 33 mm starken Halbstab wären das 1,5 Tonnen Zugfestigkeit.

Lignin. Der Ligningehalt, welcher für die überragende Power mit verantwortlich ist, beträgt etwa 20%. Lignin ist ein natürliches Polymer.  Es ist ein natürlicher Kunststoff, anereob - biologisch - abbaubares Plastik. Das extrahierte  Biopolymer liefert es erstaunliche Eigenschaften. Es kann daraus tatsächlich ein Kohlefaserverbundstoff hergestellt werden.

Schwindmaß. Der hohe Quellwert, der für die Schrumpfung des Holzes verantwortlich ist, beträgt etwa 15%.

Trocknung. Frisches Holz, im Winter geschlagen, verliert übers Jahr, in der Rinde belassen,  gut 25% seiner Masse. Und bei Frost ein gute Holzsäge einige ihrer Zähne.

Massespuren. 5% Masse sind die Extraktionssubstanzen im Holz. Das Dämpfen nimmt sie etwas heraus und macht das Holz geringfügig etwas fester.

Querschnittsbelastung.  Die Druckfestigkeit beträgt über den Seiten verteilt ca. 70 Megapascal. Nur zum Vergleich. Eine Presse für Schrottautos braucht weniger als die Hälfte um ein Auto zu zerquetschen. Auf ihrer Druckfläche lasten etwa 30 MPa. Dreißig Megapascal bedeuten dreihundert Kilo  auf dem Quadratzentimeter.
Ein Pascal sind ein Kilo auf den Quadratmeter, es wird in tausender Schritten weitergerechnet. Entweder auf den Quadratmeter oder rückwärts geteilt bis in den Quadratmillimeter herunter. 

Druck. Die gemessene Druckfestigkeit über den vertikalen Frontkanten betrug bei den Messungen im Durchschnitt 96 Megapscale. 96 Mpa sind umgerechnet 9.7 kg die auf dem Quadrat mm lasten. Der abgebildete Halbstab mit einem Durchmesser von 33 mm hält laut mathematischer Berechnung über die aufgestellten Schnittkanten locker sieben Tonnen Druck stand. 

Scherfestigkeit. Die seitliche Scherfestigkeit entlang der Faser betrug bei KIT Versuchen 36 MPa. Dies wurde an winzigen trockenen Bohrholzkernen gemessen. Dies ist also die Zerstörungsgrenze der Proben aus kleinen Holzdübeln. Ein Zentimeter dicker, drei Zentimeter langer, quadratischer Holzstift versagt als Haltestift auf einer Welle mit Zahnrad erst bei über 100 Megapascale. 

PH-Wert. Er beträgt ist 5.8. Ein niedriger PH-Gehalt greift Eisen an. Ebenso ein hoher Tanninsäuregehalt. Was Holz konserviert, zerstört Eisen, historisch ein Dilemma. Auf alten Gehstöcken sind die Eisenspitzen meist nur noch Schrott. Und sehr lose außerdem.

Daher als Klebe- und Trennmittel beider Komponenten das Birkenpech. Dieser frühe High-End-Kleber kann auch nach dreißigtausend Jahren noch verifiziert werden. Moderner zwei Komponenten Kleber tut es auch. Beide Varianten lassen sich unter Hitzezufuhr lösen.

Geruch. Er ist unbedeutend niedrig, aber deutlich erkennbar beim Schleifen. Ein bischen wie weißer Pfeffer. Jedoch sehr angenehm.

Klang. Die Schallgeschwindigkeit reicht bis zu 5000 Meter pro Sekunde. Ähnlich verhält es sich mit Wasser und Eisen. Ein gesundes Stück Holz hat den Klang wie von einem Xylophon. Die Geigenbögen der Gusle, auf dem Balkan, werden bis heute daraus gebaut. 

Schwimmfähigkeit. Die Dichte des Holzes beträgt etwa 0,88 - 1,03 Gramm pro Kubikzentimeter. Wasser und Bernstein ca. 1 Gramm. Getrocknete Kornelkirsche mit Rinde, oder in Öl einkonserviert, schwebt er in der Regel knapp unter der Wasseroberfläche oder lugt leicht über der Wasserobefläche heraus. Siehe FILM.

Jahresringe. Von Zuchtformen in satten Gartenböden und Parkanlagen mal abgesehen sind es in der Regel bei den schweren Stücken 0,5 Millimeter. In Extremlagen sollen es bis zu drei Jahresringe auf den Millimeter sein. Das habe ich allerdings noch nicht mit der Messlupe zählen können. Zum Vergleich.In der Regel weisen die am meisten verwendbaren Nutzholzbäume gut sichtbare Jahresring um 3 bis 5 Millimeter auf. Je nach Baumart.

Biegefestigkeit, sie beträgt 150 Megapascal. Der gemessene Maximalwert lag bei 200 MPa nahe dem von elastischem Eschenholz.  

Schlagzähigkeit. Hier belegte die Kornelkirsche vor allen anderen Hölzern in Europa den ersten Platz. Sie absorbiert auf den Stirnseiten 140.000 Joule, zugerechnet wird auf den Quadratmeter. Fallend aus einem Meter Höhe ohne dass die Holzprobe zerbricht, wären das 14 Kilogramm auf dem Quadratzentimeter. Hier in Fallgeschwindigkeit. Die Kornelkirschenhämmer für Steinmetze hielten eine kleine Ewigkeit. 


Wärmeleitfähigkeit. Noch keine speziellen Daten. Holz ist isolierend und fühlt sich Sommer wie Winter angenehm an. Ein wichtiger Faktor im Vergleich zu Kunststoffen. Der thermische Isolationswert von Holz ähnelt dem von Stroh oder Schafwolle mit 0,35 bis 0,50 Si. Der Wärmeleitfähigkeitswert von Silber und Kupfer liegt bei ca. 400 ... tausendmal höher. So viel zu den metallischen Ornamenten auf Stöcken bei extremer Hitze oder Frost.

E-Modul. Das elastische Modul von Cornus mas liegt zwischen 12 und 14 Gigapascale kurz GPa. Und genau dieser Wert ähnelt unseren menschlichen Knochen.  Das polierte Holz fässt sich beinahe auch so an. Es gleitet sanft durch die Hände und verursacht keine Blasen. 

Kornelkirschenstäbe in dünnerem Durchmesser, schlagen durch ihre flexible Gewichtsverteilung, federnd ein zweites Mal zu. Sie sprengen sich vom Auftreffpunkt wieder ab und die Masseträgkeit sorgt für den federnden Doppelschlag

Politur. Das Holz der Kornelkirsche lässt sich hervorragend polieren. Dieses vorgehen ergibt dann die Oberfläche eines Kunstgegenstandes. Fast so wie bei einem hochwertigem Tasteninstrument, dem Flügel. Beim festen Berühren kleben die Hände an der glatten Oberfläche. Die Haftkraft ist wie eine Froschhand an der Glaswand. Um die hervorragenden Materialeigenschaften zu erhalten, braucht es nur ein wenig Sorgfalt. Eine gelegentliche Politur mit in Leinöl getränktem Schachtelhalm ist für den glänzenden Zustand verantwortlich. Nachpolieren mit Schafwolle verleiht dem Ganzen einen noch seidigeren Glanz.

VORSICHT, Leinöl kann sich selbst entzünden. Bitte die sehr strengen Verarbeitungshinweise beachten.